• Bochum und die Folgen, nur so ein paar Gedanken…..

    by  • 26. November 2012 • Brain Whirlpool, Piraten • 2 Comments

    Jetzt bin ich also wieder nach einem Parteitagswochenende in der Realität angekommen. Habe heute den nachmittag im Büro verbracht, mich mit anderen Dingen als den Piraten beschäftigt. Zeit um das, was da am 11. Bundesparteitag der Piraten passiert ist mal sacken zu lassen.

    Einerseits haben wir einiges voran gebracht. Wir haben 99 Seiten Anträge beschlossen (hier die gebündelte Form). Das macht mein Piratenherz etwas leichter. Jetzt kann ich interessierten Menschen am z.b. Stammtisch oder Infostand auch unsere Antworten zu überaus wichtigen Themen, wie z.B. unseren grundsätzlichen Standpunkt zu Europa (ein Thema das mir sehr am Herzen liegt, ich werde hierüber wohl auch nochmal was schreiben), zur Umweltpolitik oder zur Aussenpolitik vermitteln. Das ist die eine Seite der Medallie, die vor allem den zweiten Tag noch zu einem guten Tag gemacht hat.

    Aber da war ja noch der Samstag. Die Erinnerung an diesen Tag könnte man am ehesten mit dem faden Nachgeschmack vergleichen, wenn man etwas gegessen hat das nicht ok war.  Lasst mich erklären Leute: Ich bin ja nun noch nicht so wahnsinnig lange aktiv bei den Piraten dabei. Ich muss auch zugeben, das ich nicht der absolute Politik-Satzungs-Parteigesetz-Spielregeln-Freak bin. Ich bin nunmal, was dieses doch eher langatmige Feld angeht, nicht gerade der geduldigste und aufmerksamste Mensch. Jedoch, ich glaube zu merken wenn etwas schief läuft. Ich glaube zu wissen, das wenn ich zu einem Parteitag gehe, ich dies tun will um meine Meinung kundzutun. Sprich: Ich will abstimmen. Vielleicht möchte ich mir noch die Statements der Ersteller eines Antrages anhören, oder aber einige Für- oder Gegenreden um meine Meinung zu festigen. Soviel zum Idealbild.

    Vielleicht bilde ich ja eine Ausnahme (ich denke aber eher nicht), aber ich fahre nicht 600 km in eine andere Stadt, um mir dann 5 Stunden GO-Duelle mit den zugehörigen Trollen ansehen und anhören zu müssen. Oder in Schockstarre, weil jemand die 10te geheime Abstimmung oder Auszählung gefordert hat Pacman spielen zu müssen. Zumindest eine Tagesordnung und der Ablauf eines Parteitages muss vor Beginn eines Parteitages einfach feststehen. Zumindest wie ein Antragstext endgültig formuliert sein soll (Stichwort Module) sollte beim Parteitag schon feststehen. Und wenn ich sage feststehen, dann heisst dies, das die Arbeit die vorher investiert wurde nicht einfach wieder durch einen GO-Antrag ausser Kraft gesetzt werden kann. Jetzt sagen vielleicht wieder einige: „wie? Du forderst die SMV?“ Nein, ich fordere im Moment gar nichts. Alles was ich tue ist, ein Problem zu sehen und zu versuchen hierzu eine Lösung zu finden. Also im Prinzip nichts anderes, als das was ich auch sonst den ganzen Tag tue. Zum  Thema SMV hätte ich mir übrigens auch noch keine fundierte und eindeutige Meinung gebildet, also tue ich das was einige tun sollten:  Ich frage die relevanten Leute, (sprich: die Politik-Nerds unter uns), ich versuche mir zu überlegen was für mich als Person die denkbar beste Lösung wäre und mische mich dann in die Diskussion ein, wenn ich meine Meinung für fundiert und streitbar genug halte.

    Ich glaube im Allgemeinen, und wie ich das sehe passiert dies erfreulicherweise auch auf twitter und anderen Medien, das die Erfahrungen dieses Parteitags nicht einfach so hingenommen werden unter dem Motto: „so sieht direkte Demokratie eben aus…“. Das tut sie nicht und das müsste sie auch nicht. Ich halte die z.B. 1000-malige Aufforderung zur Änderung der Tagesordnung und ähnliche Spässe nicht wirklich für einen Ausdruck von direkter Demokratie. Die Formalia ist zwar auch wichtig und richtig, aber wenn es öfter derart ausartet, dann werden viele die Lust an den Piraten verlieren. Vor allem wenn wir vorhaben weiter zu wachsen.

    Bevor wir also den Drive vieler Menschen etwas zu ändern, mit Formalia bzw. dem Missbrauch derselben abwürgen und wir auch einfach nur am eigenen Wachstum scheitern, sollte man sich zumindest auch Gedanken über so etwas wie eine SMV machen dürfen.

     

     

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    Programmer, Unternehmer, Vater, Ehemann, Bajuwaro-Europäer, europäischer Föderalist, für die Republik Europa, für Bürgerrechte, Selbstbestimmtheit, Menschlichkeit. Liberal und gegen Extreme in jeder Form.

    http://kartonfabrik.org

    2 Responses to Bochum und die Folgen, nur so ein paar Gedanken…..

    1. Bernd Lauert
      27. November 2012 at 20:48

      Ich persönlich konnte nicht in Bochum dabei sein,leider.Allerdings lief es als Beobachter zu chaotisch ab und SPON hatte genug Hetzmaterial. Obwohl:Liebe Piraten, ihr seid für mich die Alternative, ein bischen Ponytime, ein bisschen Bällebad ist schon ok…aber erst nachdem Wichtiges geordnet entschieden wurde und unrealistische GO etc einfach als Rauchergruppen-Diskussion draussen vertagt wurden. Mal ehrlich, ich bin auch gerne Pirat aber persönlich fordere ich mehr Seriosität. Natürlich darf und soll sich jeder einbringen, Erich Du tust das auch, aber immer gefasst bleiben. Die Wirkung nach aussen ist nicht zu unterschätzen. Wir Piraten dürfen und sollen andere Haartrachten und Farben haben, wir dürfen und sollen krasse Thesen aufstellen, hat Luther ja auch gemacht. Dabei aber im Blick behalten wie uns der typische Bildzeitungsmichel sieht.
      Der Ruf eilt den Piraten vorraus, keine Frage.
      Ich selbst will mit meiner Lebenserfahrung z.B Themen auf den Tisch bringen, die in meiner Lebenswirklichkeit als Arbeiter, Angestellter und jemand mit 3 Berufen und ohne Sprachrohr einer Gemeinschaft bisher für sich und Andere für wichtig erachtet. Deswegen bin ich Pirat geworden.
      Auch ich lebe die Veränderung jedoch muss man als Pirat auch auf dem Boden bleiben.
      Zumindest ist mir bewusst das wenn auch nur mehr als zwei in unserem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen

    2. Pingback: Ich war dabei … | Meine Sicht der Dinge

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